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Der Anruf

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– „Hallo?“

– „Guten Tag, ich rufe von der Klinik für assistierte Reproduktion an…“

– „Ach ja richtig!“, sage ich mit gespielter Gleichgültigkeit. „Das hat aber lange gedauert. Gab es etwa viel für die Aktenablage?“, füge ich hinzu und lache. Ich greife häufig auf Humor zurück, wenn ich mich entspannen muss…

– „Ähm, eigentlich nicht…“, sagt der Laborassistent nach einem Räuspern. „Wir haben einfach nur viel Arbeit hier heute Vormittag. Ok, also von den fünfzehn Eizellen, die wir gestern entnommen haben, waren zehn reif und von den zehn konnten neun befruchtet werden. Wir rufen Sie in zwei Tagen wieder an und sagen Ihnen, wie sich die Eizellen entwickelt haben… Haben Sie noch Fragen?“

Ich wollte ihn fragen, wie sie aussahen oder ob sie hübsch waren, aber dann habe ich lieber doch nur „Nein, vielen Dank!“ gesagt und mich für seinen Anruf bedankt. Dann habe ich aufgelegt.

Freudenausbruch! Es konnten neun Eizellen befruchtet werden. Ich war so stolz! Und geradezu euphorisch! Ich habe neun potenzielle Babys in Arbeit! Wir sind in der Lage, neun Embryos zu fabrizieren! Ich will sie alle! Alle neun! Natürlich rufe ich sofort meinen Mann an, der gerade bei der Arbeit ist. Er hebt sofort ab:

– „Und, alles gut?“

Ich sage ihm, dass wir neun kleine „Gachós“ haben (so hat mich meine Großmutter als Kind immer genannt).

– „Super, das ist ja klasse! Das hast du echt toll hinbekommen!“  

Es liegt auf der Hand, dass die folgenden Tage echt anstrengend waren. Ich konnte gar nicht aufhören, an meine „Gachós“ zu denken. Und habe mich dumme Sachen gefragt: Ob es ihnen wohl gut geht? Fühlen sie sich nicht sehr einsam? Werden sie im Labor auch gut betreut? Ich fühlte mich diesen aus Liebe entstandenen Embryos schon sehr eng verbunden, das stand fest.

 

Fragment des Buches „La promesse du mois“ (dt.: Das Versprechen des Monats), von Frédérique Vicent

Frédérique Vincent
Nach dem Studium packt Frédérique Vincent die Koffer und geht nach England. Dort lernt sie ihren künftigen Ehemann kennen und die beiden heiraten 2008. Monate und Jahre vergehen wie im Flug, ohne dass sich die ersehnte Schwangerschaft einstellt. Anfangs macht ihnen das nicht viel aus: Mit Sport und Reisen ist ihre Freizeit gut ausgefüllt. Nach und nach jedoch wird der Wunsch nach einem Kind unerträglich stark. Als sie ihre Fruchtbarkeitsbehandlung beginnt, beschließt sie, ein Tagebuch als unfruchtbare Frau zu schreiben. Die Menschen in ihrem Umfeld ermutigen sie rasch, weiter ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen … Heute ist sie Mutter dreier Kinder und Autorin des Buches La promesse du mois, einem Bericht aus erster Hand über das Thema Unfruchtbarkeit.

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