Sobre nosotros

Startseite > Emotionale Aspekte > Ab sofort sprechen wir nicht mehr über unsere Behandlungen

Ab sofort sprechen wir nicht mehr über unsere Behandlungen

322
0

Mir fällt auf, dass wir oft auf Unverständnis aus unserem etwas taktlosen Umfeld stoßen

Ab sofort werden wir nicht mehr über unsere Behandlungen sprechen. Wenn mich jemand nach dem Stand der Dinge fragt, werde ich sagen, dass wir das Ganze seinen natürlichen Lauf nehmen lassen. Das fällt mir schwer, weil ich das Bedürfnis habe, darüber zu sprechen, was in meinem Leben vorgeht, und den Schwierigkeiten, mit denen ich zu kämpfen habe, Ausdruck zu verleihen. Worte wirken für mich befreiend und erleichternd.

Mir fällt aber auf, dass wir häufig auf Unverständnis aus unserem etwas taktlosen Umfeld stoßen. Ich habe den Eindruck, dass nur Menschen, die selbst größere Schwierigkeiten hatten, um Kinder zu bekommen, unsere Sorgen verstehen. Manchmal frage ich mich, ob das wirklich eine so gute Idee war, anderen zu erzählen, dass wir Hilfe brauchen, um ein Baby zu zeugen. Andererseits habe ich es auch nicht beliebig überall herumerzählt. Wenn sich die Leute mit „nein, es gibt noch kein Baby“ zufrieden geben würden, würde mir das auch gar nichts ausmachen, aber die Leute lieben Klatsch und ein Paar, das keine Kinder hat, ist einfach verdächtig!

Klischees halten sich hartnäckig. Das sieht man z.B. daran, dass meine Gesprächspartner in der Regel glauben, dass es an mir liegt… Und ich bin sicher, dass sich einige Frauen jahrelang Behandlungen unterzogen haben, weil unsere Gesellschaft einfach nicht akzeptieren will, dass das Problem auch beim Mann liegen kann. Als ich erfahren habe, was genau in unserem Fall das Problem war, habe ich aufgehört, den Fragen auszuweichen, obwohl ich mich dafür geschämt habe, keine Kinder bekommen zu können.

Ich verstehe ja, dass es nicht einfach ist, eine passende Antwort zu finden, wenn man von dem Thema selbst nicht viel Ahnung hat. Aber Schweigen ist immer noch besser als eine Antwort in der Art: „Das ist alles nur Kopfsache, du bist viel zu sehr darauf fixiert, ein Baby bekommen zu wollen. Das wird schon.“ Oder aber: „Pff! Eine IVF ist überhaupt nicht schlimm, die funktionieren immer.“ Auch mit Personen, die mir Dinge wie „Ach, so dramatisch ist das doch nicht, es gibt Schlimmeres.“ sagen, komme ich klar. Es gibt Schlimmeres, das stimmt. Ich habe weder einen Arm oder ein Bein verloren und muss mit keiner Behinderung leben, aber irgendwie irritieren mich solche Worte trotzdem – weil sie meistens von Leuten kommen, die sich über alles und jedes beklagen.

 

Fragment des Buches „La promesse du mois“ (dt.: Das Versprechen des Monats), von Frédérique Vicent

Frédérique Vincent
Nach dem Studium packt Frédérique Vincent die Koffer und geht nach England. Dort lernt sie ihren künftigen Ehemann kennen und die beiden heiraten 2008. Monate und Jahre vergehen wie im Flug, ohne dass sich die ersehnte Schwangerschaft einstellt. Anfangs macht ihnen das nicht viel aus: Mit Sport und Reisen ist ihre Freizeit gut ausgefüllt. Nach und nach jedoch wird der Wunsch nach einem Kind unerträglich stark. Als sie ihre Fruchtbarkeitsbehandlung beginnt, beschließt sie, ein Tagebuch als unfruchtbare Frau zu schreiben. Die Menschen in ihrem Umfeld ermutigen sie rasch, weiter ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen … Heute ist sie Mutter dreier Kinder und Autorin des Buches La promesse du mois, einem Bericht aus erster Hand über das Thema Unfruchtbarkeit.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading...

Hinterlasse einen Kommentar

Recent Posts

Start typing and press Enter to search